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Über meine Zeit in Brasilien und Portugal und das Portugiesische

Kategorie: Vorbereitung Brasilien 2016

Noch keine Wohnung, keine Sprachschule – Abflug

Nach einigen Monaten Verzögerung geht’s jetzt endlich los. LH 506 ist ein Nachtflug; 22 Uhr in Frankfurt los, 5 Uhr Ankunft in São Paulo. Vor dem Flugzeug im Wartebereich nimmt die Portugiesisch-Verwendung auch schon zu.

Der aktuelle Zustand erinnert mich gerade an Madrid: Ich habe noch keine Wohnung. Eine Sprachschule habe ich auch noch nicht gewählt. Beste Bedingungen, um einfach mal loszufliegen. So ist das Leben gezwungen, Möglichkeiten zu schaffen.

Mit meiner Master-Arbeit bin ich mit zwei Fachgebieten noch in der Abstimmung und will irgendwann im September anfangen. Bis dahin will ich vor allem auch eine Sprachschule besuchen und einen Intensivkurs Portugiesisch belegen. Wird nötig sein.

Dann mal auf.

Impfungen für Brasilien: Mein wöchentliches Pieksen

Ich hoffe sehr, dass mein linker Arm derzeit nicht schlecht von mir denkt. Der muss gerade als Einfallstor für alles mögliche herhalten.

Denn zu den eher unangenehmen, aber absolut wichtigen Vorbereitungen für einen längeren Aufenthalt in Südamerika gehören die Impfungen. Dabei gehe ich auch auf Nummer sicher: So ist der Süden Brasiliens überwiegend kein Gelbfiebergebiet. Die dazugehörigen Mücken halten sich eher in den wärmeren Gegenden weiter nördlich auf. Dennoch habe ich mich auch gegen Gelbfieber impfen lassen, um mir die Möglichkeit nicht zu verbauen, aus irgendwelchen Gründen nicht doch mal einen Abstecher in den Norden machen zu können.

Auf dem Programm stehen außerdem Hepatitis A, Tollwut und Typhus. Zusätzlich bin ich natürlich unabhängig davon auch gegen die in Deutschland vorkommenden Krankheiten geimpft . Gegen Malaria habe ich Tabletten bekommen, die ich einige Tage vor der Einreise in ein Malaria-Gebiet einnehmen müsste. Wahrscheinlich werde ich diese Tabletten nicht brauchen, aber man weiß ja nie. Insgesamt macht dies übrigens 8 Spritzen, verteilt über einige Monate. Es gibt angenehmeres. Aber man gewöhnt sich dran. Ab der 3. wöchentliche Spritze habe ich schon gar nichts mehr gemerkt.

Die Impfungen sind übrigens Privatleistungen. Die Rezepte bekomme ich beim Hausarzt und die Impfdosen muss ich dann selbst in der Apotheke bezahlen. Um mal einen Eindruck davon zu bekommen, hier gerundete Summen:

  • 2x Impdosen gegen Hepatitis A zu 70€ macht 140€
  • 3x Impfdosen gegen Tollwut zu 70€ macht 210€
  • 1x Impfdosis gegen Gelbfieber zu 60€
  • 1x Impfdosis gegen Typhus zu 30€
  • 1x Tabletten gegen Malaria zu 40€

Für jede Spritze zahle ich dann nochmals in der Arztpraxis 11€ (also 88€ insgesamt). Damit kommen wir dann auf ungefähr 570€.

Einige Krankenkassen übernehmen diese Kosten übrigens als freiwillige Zusatzleistung. Ich habe Glück und bekomme das (voraussichtlich/hoffentlich auch wirklich) von der Techniker Krankenkasse nach einigem Papierwechsel erstattet.

Sichtbare Kriminalität

Zur Lagebewertung von Vierteln in São Paulo  zur Wohnungssuche habe ich folgende Seiten als Tipps bekommen:

Onde fui roubado ist eine Geo-Plattform, in der jeder eintragen kann, wo und wann er Opfer von Kriminalität wurde. Man kann dort z.B. sehen, wo die letzte Zeit besonders viele Überfälle passiert sind. Da allerdings jeder dort freiwillig Daten eingeben kann, sind die Daten natürlich nicht repräsentativ. Aber wenn man das im Hinterkopf hat, kann man daraus schon Schlüsse ziehen; spätestens in Kombination mit anderen Quellen.

Criminalidade bairro a bairro ist eine journalistische Darstellung offizieller Zahlen aus staatlichen Publikationen über die Kriminalitätsvorfälle in einzelnen Vierteln. Man kann dort schöne Visualisierungen für verschiedene Delikte sehen, sich Top- und Flop- (in dem Fall besser) -Listen ansehen und auch mit den Daten vergangener Jahre vergleichen.

Eine Android-Gurke zum Klauen

Seit kurzem habe ich einen zweiten Taschenrechner (ich mag den Ausdruck, leider ist dieses deutsche Wort schon belegt) ein zweites Mobiltelefon: Ein Android-basiertes Alcatel One Touch 4033. Für 29€ inkl. Versand über Ebay.

Häh? Ja, ich habe mich bereits, auch im Rahmen von Vorlesungen, mit Android beschäftigt und dafür auch schon mal angefangen zu programmieren. Und ich bleibe dabei, dass ich genug darüber weiß, dass ich mich damit auf keinen Fall ohne höhere Schmerzenzgeldzahlungen tiefergehend beschäftigen will.

Aber:

Die Sicherheitslage. Man liest ja überall, dass man für eventuelle Überfälle immer etwas „Kleingeld“ oder auch ein zweites Portemonnaie dabei haben sollte, das man rausgeben kann, ohne allzuviel zu verlieren. Dabei habe ich mir mit Blick auf mein iPhone 6 gedacht: Das würde ein Überfallkommando auch gerne mitnehmen.

Nun sollte man es nicht übertreiben mit der Paranoia. Die Kriminalitätsrate hängt stark vom Viertel ab; aber sie ist halt dennoch durchgängig größer als das, was man in Deutschland gewohnt ist. Insbesondere Diebstähle kommen relativ häufig vor. Mir wurde ja auch mal in Madrid mein Portemonnaie gestohlen – es war plötzlich einfach nicht mehr da.

Mobiltelefone sind dabei noch gefärdeter, da sie oft gezeigt werden. Denn gerade in der Fremde würde ich ein Mobiltefon öfter für alle sichtbar in der Öffentlichkeit nutzen, um zum Beispiel auf einer Karte nachzusehen, wo zum Teufel ich überhaupt gerade bin. Und es scheint öfters zu passieren, dass man das Mobiltelefon dann plötzlich aus der Hand gerissen bekommt und der Dieb, trainiert und mit guten Ortskenntnissen ausgestattet, rennend verschwindet.

Mein Gedanke daher: Im Zweifel trage ich lieber unterwegs eine 30€-Android-Gurke mit mir herum. Wenn die jemand klauen will – meinetwegen.

Die Privatspährensicherheitslage. Ich kommuniziere gerade mit meinem Freund vor Ort, bei dem ich anfangs wohnen werde, primär über eine Dritte Person über WhatsApp. Und nach verschiedenen Meinungen scheint es in Bezug auf ein freies Netz in Brasilien noch schlimmer auszusehen: WhatsApp wichtiger als SMS, Facebook nutzen viel mehr als hierzulande (in Brasilien 50% der Bevölkerungin Deutschland 35%) und es läufen alle möglichen Finanztransaktionen über PayPal. Mir wurde von mehreren Personen dringend geraten, diese Dienste auch zu nutzen, da ich sonst in vielen Bereichen Nachteile haben könnte. Zum Beispiel bei der Wohnungssuche. Zum Heulen.

Ich habe ja während meiner Zeit in Madrid mal kurz ein Stasibuch-Konto erstellt, da ich sonst nicht an Termine und Treffpunkte herangekommen wäre. Aber ich will das nicht wieder machen und insbesondere nicht auch noch WhatsApp installieren, dass das komplette Adressbuch auf fremde Server schiebt. (Natürlich bin ich bestimmt sowieso schon längst im Social Graph von WhatsApp und Facebook optimal vernetzt, da die meisten ja sehr offen mit ihren Beziehungsdaten umgehen – aber das ist für mich trotzdem kein Grund, das auch noch selbst zu unterstützen.)

Ein weiterer Gedanke daher: Wenn ich mir eh eine Android-Gurke hole, kann ich mir auch eine neue 10€-Prepaid-SIM-Karte mit einer neuen Nummer holen und diese Sachen alle problemlos auf einem Neugerät einrichten, auf dem ich sonst keine persönlichen Daten drauf habe. Kein E-Mail-Konto, kein Adressbuch (außer mit den brasilianischen Nummern natürlich), verknüpft nur mit einem neuen Google-Konto (eine neue Telefonnummer zu verifizieren habe ich dann ja).

Beide Gedanken zusammen fand ich dann überzeugend genug für einen Kauf. Ich werde daher das iPhone zumindest anfangs eher in der Wohnung lassen. Ob sich der Aufwand lohnt oder ob ich nach einigen Wochen nicht doch merke, dass ich mich in einer sicheren Umgebung befinde und doch über andere Kommunikationswege an alle Infos komme, werde ich sehen.

Die brasilianische ID für Menschen: CPF

Vor kurzem habe ich per E-Mail meine brasilianische Steuernummer erhalten, die CPF (Cadastro de Pessoas Físicas). Ich darf jetzt legal Jachten und Grundstücke in Brasilien kaufen.

Achja: und SIM-Karten.

Die Steuernummer kann jeder kostenlos beantragen, egal ob Brasilianer oder Ausländer. Man erhält sie unter anderem vor Ort bei Behörden, einigen Banken und  diplomatischen Vertretungen Brasiliens. Ich habe meine CPF Mitte Juli im Generalkonsulat von Brasilien in Frankfurt beantragt. Ein kleines Formular ausfüllen, ausdrucken und im Konsulat mit dem Pass vorzeigen, kurz warten und dann hat man sie auch schon.

Die Steuernummer ist im Prinzip eine ID für eine Person. Man braucht sie für nicht-alltägliche Käufe, wie eben auch SIM-Karten (in der Wikipedia steht etwas mehr dazu). Zwar gab es 2012 eine Gesetzesänderung, nachdem zumindest für SIM-Karten auch die Vorlage eines Passes ausreichen sollte, aber das scheint nicht überall zu klappen. Jedenfalls liest man das immer wieder (etwa in How to Get a SIM Card For Your iPhone in Rio de Janeiro oder Activate SIM cards in Brazil). Und da die CPF auch für vieles andere gebraucht wird (etwa für Monatskarten im Nahverkehr oder manche Fernbusfahrkarten, komme ich da wahrscheinlich sowieso nicht drumherum. Und da sie kostenlos ist und auch direkt in Frankfurt beantragt werden kann – warum nicht.

Jetzt habe ich sie und werde mal sehen, ob und wofür ich sie wirklich brauchen werde. Ich kann ja zum Spaß mal schauen, wie hoch die Grundstückspreise sind; Land hat Brasilien ja genug…

Nachtrag, 20. August 2016: Nach vier Tagen in Brasilien kann ich schon mal feststellen, dass es sinnvoll war, meine CPF schon in Deutschland beantragt zu haben. Ich habe sie für die SIM-Karte gebraucht und auch für eine Nahverkehrskarte, die ich ohne CPF nicht bekommen hätte. Dann hätte ich jede Fahrt für einen etwas höheren Preis in bar bezahlen müssen. Ich würde daher jetzt sagen: Wenn man es nicht so weit zum nächsten Konsulat oder zur Botschaft hat, ist das vorherigen Beantragen sinnvoll. Aber zwingend notwendig ist es auch nicht.

Bald geht’s los

Bisher habe ich hier nur Notizen und Anmerkungen zum Portugiesischen veröffentlicht. Das werde ich auch in Zukunft tun, aber mit dem bevorstehenden Aufenthalt in Brasilien und zwischendurch auch Portugal werde ich ab nun hier auch über meine Zeit dort berichten. So wie in meinem Spanien-Blog über meine Zeit in Madrid und Umgebung.

In den kommenden Beiträgen gebe ich einen Einblick in die Vorbereitungen und ab dem 16. August geht’s dann endlich los.

© 2011–2017 Andreas Marc Klingler

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