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Über meine Zeit in Brasilien und Portugal und das Portugiesische

Kategorie: Land und Kultur (Seite 1 von 3)

Barreirinhas und Atins. Unangenehme Orte an sehr angenehmer Wüste. Teil 2

(Zu Teil 1 über Barrerinhas.)

Atins ist ein sehr klei­ner und ab­ge­le­ge­ner Ort in un­mit­tel­ba­rer Nähe der Lençois Maranhenses. Man er­reicht ihn am bes­ten mit dem Boot von Barrerinhas aus. Es gibt auch Touren mit Geländewagen dort­hin, doch da­bei soll­te man sich be­wusst sein, dass man, je nach Jahreszeit, et­was über 2 Stunden in Jeeps ver­bringt, die zick­zack durch rau­es Gelände und mit­ten durch Wasser fah­ren. Das ist nicht für je­den. (Oder wert­vol­les Gepäck.)

Tipp: Es gibt Tagestouren mit Booten, die na­he an Atins vor­bei­fah­ren. Wir ha­ben in ei­nem Reisebüro ver­han­delt und ei­ne Tagestour ge­bucht, bei der wir für 20R$ ex­tra pro Person an der letz­ten Station vom Fahrer nach Atins über­ge­setzt wur­den. Das Gepäck mit­zu­neh­men, war in den 12-Personen-Booten auch kein Problem. Somit ha­ben wir noch ei­ne schö­ne Tour mit­ge­nom­men und ka­men für ei­nen mi­ni­ma­len Aufpreis nach Atins.

Niedlich diebisch

Bei ei­nem Stopp der Bootsfahrt gab es vie­le Affen. Die wirk­lich al­les, was nicht niet-und-nagelfest war, an sich neh­men woll­ten. Während die Passagiere an Land wa­ren, klet­ter­ten sie auf die Boote und such­ten nach Nahrung oder glit­zern­den Sachen. Angeblich ha­ben die auch schon Smartphones di­rekt von Touristen aus der Hand ge­klaut und sind in den Wald ge­flüch­tet. Sachen gibt’s…

Bootseinbruch

Täter mit Diebesgut

Ankunft in Atins

Später am Nachmittag wur­den wir in dem „Haupthafen“ ab­ge­setzt: ei­ner Waldstelle, an der man ei­ni­ge Bäume ge­fällt hat­te, da­mit dort ein paar klei­ne Boote na­he ans Ufer fah­ren konn­ten. An Land war­te­ten un­ge­fähr 7 Personen mit klei­nen Fahrzeugen, die so­fort Fahrten in den Ort ver­kau­fen woll­ten. Das fan­de ich merk­wür­dig: Fahrten von hier in den Ort, der doch fast di­rekt am „Haupthafen“ lie­gen soll­te? Wir gin­gen auf kein Angebot ein und lie­fen los, als uns ein Jeep von un­se­rer Pousada (Unterkunft) ent­ge­gen­kam, um uns ab­zu­ho­len. Nett. Zu Fuß wä­ren üb­ri­gens nur 7-10 Minuten ge­we­sen bis zum Ortsanfang.

Atins‘ Haupthafen

(Ich ver­ste­he ja, dass die Menschen dort al­les ver­su­chen, um Geld zu ver­die­nen, wo es sonst kaum Möglichkeiten gibt. Aber ab ir­gend­ei­nem Punkt wird es ab­schre­ckend. Zumindest für mich.)

Einkauf rustikal

Nachdem wir uns in der Unterkunft ein­ge­rich­tet hat­ten, woll­ten wir den Ort ent­de­cken und et­was es­sen. Nun, mehr als 30 Minuten braucht man nicht, um al­le Straßen Wege ge­se­hen zu ha­ben. Atins be­steht im Grunde zu 80% aus Pousadas (Unterkünften). Als wir da wa­ren, war al­ler­dings fast al­les leer. Wieder wa­ren wie fast die ein­zi­gen Touristen. Aber im­mer­hin, in un­se­rer Pousada gab es noch zwei an­de­re be­leg­te Wohnungen. (Aus wel­chem Land? Yep, ge­nau. Deutsche sind im­mer und über­all. Bayerisch un­ter Palmen beim Frühstück.)

Zurück zur Essenssuche: Der Ort war so leer, dass nicht ei­ne Bar ge­öff­net hat­te. Es gab nichts zu es­sen oder zu trin­ken. Immerhin soll­te es hier ei­nen Supermarkt ge­ben, schließ­lich müs­sen sich die paar Anwohner (er­go: Pousada-Besitzer oder -Mitarbeiter) ja auch er­näh­ren. Bloß, dass wir an der Stelle, an der Google Maps ei­nen Supermarkt an­ge­zeigt hat, kei­nen ge­se­hen ha­ben. Wohl ein Kartenfehler. Kommt vor.

Dann hat uns aber je­mand ge­sagt, dass dort tat­säch­lich der Supermarkt sei. Und wirk­lich: Wir frag­ten dort ei­ne äl­te­re Dame, die auf ei­ner Bank ge­gen­über saß. Sie ging ans Haus und mach­te ei­ne Art Garage auf, wo auf Sperrholzregalen Lebensmittel stan­den. Licht gab’s da lei­der an die­sem Tag nicht mehr, aber wir konn­ten mit den Smartphone-LEDs das Sortiment be­gut­ach­ten. Und kauf­ten et­was Wasser, Gemüse und Brötchen, was dann das Abendessen wur­de. Immerhin.

Der Traumstand

Der Strand sol­le sa­gen­haft sein, hör­ten wir so oft. Nun, ich weiß ja nicht, ob ich durch die schö­nen Strände der Ilha Grande schon so ver­wöhnt war; fol­gen­des re­prä­sen­ta­ti­ves Photo zeigt je­den­falls für mich nicht un­be­dingt ei­nen Traumstrand. So wie auf den Photo geht das 30 Minuten lang wei­ter, be­vor der Strand we­gen Wasser und Vegetation un­pas­sier­bar ist. Zwischendurch ren­nen wil­de Hunde und lau­fen ge­mäch­lich Esel vor­bei.

Strand von Atins

Zur Wüste

Ein Hauptgrund für den Besuch von Atins ist ja die Nähe zu der Wüste, den Lençois Maranhenses. Als wir am nächs­ten Morgen auf­bra­chen, ka­men wir aber nicht weit. Alle Wege, die au­ßer­halb des Ortes führ­ten, stan­den un­ter Wasser. Stehendem, dre­cki­gen Wasser. Wir muss­ten da­her wie­der Geld aus­ge­ben und uns mit ei­nem Jeep zum Beginn der Wüste fah­ren las­sen. Was 20 Minuten ge­dau­ert hat. Zu Fuß wä­ren das al­so selbst bei tro­cke­nen Wegen ge­schätzt an­dernt­halb Stunden. Und bis man dann wirk­lich „in“ der Wüste ist, dau­ert es auch noch mal.

Der Tag in der Wüste war im­mer­hin sehr schön, wie man in dem ei­ge­nen Artikel da­zu nach­le­sen kann.

Fazit

Wer die Lençois Maranhenses be­su­chen möch­te, muss nicht nach Atins. Das Geld kann man sich wirk­lich spa­ren. Auch wenn es der nä­hes­te Ort zu den Lençois ist, ist es ein­fach zu Fuß viel zu weit und es gibt in die­sem Teil der Wüste nichts, was man nicht auch wo­an­ders se­hen wür­de. Man sieht im Prinzip auf 1500 Quadratkilometer über­all das glei­che.

Man soll­te sich lie­ber für 2-3 Tage in Barrerinhas ein­quar­tie­ren und sich ta­ges­wei­se in die Wüste fah­ren las­sen. Mehr als 4 Tage braucht man auch nicht zu blei­ben; al­le Agenturen bie­ten mehr oder we­ni­ger die glei­chen Touren an, und zwar 3-4 Stück. Danach hat man nichts mehr zu tun, wenn man nicht ei­ni­ge Touren mehr­fach ma­chen will. Die letz­ten (kür­ze­ren) Touren des Tages star­ten üb­ri­gens ge­ne­rell um 14 Uhr; wenn man al­so mit dem Bus aus São Luíz zu spät an­kommt, kann man am ers­ten Tag nichts mehr un­ter­neh­men.

Und man darf nie den ers­ten Preis ak­zep­tie­ren und muss im­mer han­deln. Bei fast je­der Gelegenheit  wur­de uns ver­sucht, mög­lichst viel Geld ab­zu­knöp­fen. Nie das ers­te Angebot neh­men.

Wenn man noch et­was mehr Zeit hat, soll­te man dann wei­ter Richtung Westen nach Jericoacoara fah­ren, wo es wun­der­schö­ne Naturlandschaften ge­ben soll. Das ha­ben wir aber lei­der nicht mehr ge­schafft, da die Fahrt dort­hin sehr lan­ge dau­ert. Vielleicht ein an­dern­mal.

In Deutschland gibt es ein­zeln ein­ge­schweiß­te Gurken. Das wür­de hier wohl kei­ner ver­ste­hen.

Obwohl, wenn ich mir an­schaue, was hier al­les ein­ge­schweißt wird, soll­te ich da auch bes­ser nie­man­den auf Ideen brin­gen…

Barreirinhas und Atins. Unangenehme Orte an sehr angenehmer Wüste. Teil 1

Im vor­letz­ten Beitrag ging es um die Lençois Maranhenses, die Wüste Brasiliens. So schön sie auch ist, Infrastruktur gibt es dort na­tür­lich über­haupt nicht. Deswegen muss man sich in ei­nem der Orte in un­mit­tel­ba­rer Nähe ein­quar­tie­ren.

Barreirinhas

Der größ­te Ort (!= groß) in der Nähe heißt Barreirinhas. Der Ort lebt fast kom­plett vom Tourismus. Und da Touristen die ein­zi­gen sind, mit de­nen man Geld ver­die­nen kann, wer­den sie auch ge­jagt.

Wir fuh­ren in ei­nem der vier täg­lich ver­keh­ren­den Busse aus São Luíz, der Hauptstadt des Bundesstaates Maranhão, nach Barrerinhas.  Ab dem Ortseingang be­gan­nen Motorräder, den Bus zu be­glei­ten. Dessen (Bei-) Fahrer schau­ten sich ge­nau die Passagiere des Busses an und ver­such­ten mit je­dem, der halb­wegs nach Ausländer aus­sah, Blickkontakt auf­zu­bau­en und über Pappschilder be­reits ers­te Angebote zu kom­mu­ni­zie­ren. Als der Bus an ei­nem zen­tra­len Platz an sei­ner Endstation an­ge­kom­men war, wa­ren es gut 10 Motorräder.

Beim Ausstieg muss­ten die Passagiere durch ei­nen Traube an sehr selbst­be­wuss­ten „Verkäufern“. Und ich und mei­ne Begleitung aus München wa­ren in die­sem Bus auch noch die ein­zi­gen Touristen. (Es war Nebensaison, als wir im März da wa­ren.)

Naja, letzt­end­lich ha­ben wir auch das über­stan­den. Aber an­ge­nehm war das nicht. Der Ort an sich hat auch wirk­lich nichts zu bie­ten. Die re­la­tiv kur­ze Zeit am Tage, die wir dort auf den Straßen wa­ren, wur­den wir öf­ter an­ge­spro­chen von mit­un­ter sehr pe­ne­tran­ten „Verkäufern“. Und kaum ist man frei­wil­lig in ei­ner Agentur, weil man ei­ne Tour oder Überfahrt bu­chen will, ver­su­chen schlei­mi­ge „Verkäufer“, gleich noch viel mehr mit­zu­ver­kau­fen.

Dies war der ers­te Ort Brasiliens, in dem ich mich wirk­lich un­wohl ge­fühlt ha­be. Zum Glück woll­ten wir so­wie­so recht schnell wei­ter in den Norden, zu ei­nem Ort, von dem die Leute sa­gen, er sei ei­ner der schöns­ten im Maranhão, von dem man gar nicht mehr weg­woll­te. Ein idyl­li­sches Fischerdorf, di­rekt an der Wüste ge­le­gen und zu­gleich am Atlantik: Atins.

Davon mehr im nächs­ten Beitrag.

Pünktlichkeit

Pünktlichkeit ist in Brasilien kei­ne Tugend. Wie die meis­ten Sekündärtugenden, lei­der.

Im Prinzip ist es hier ge­nau­so wie in Spanien: Man ver­ab­re­det sich mit ei­ner Gruppe, zum Beispiel um 19 Uhr. Ab 19:30 kom­men die ers­ten. Gegen 21 Uhr sind dann fast al­le am ver­ein­bar­ten Ort und man geht los. Wenn nicht je­mand ei­ne an­de­re Idee hat, was man ma­chen könn­te, und man dann so­fort den vor­he­ri­gen Plan über den Haufen schmeißt. (Es sei denn na­tür­lich, man hat schon Eintritt be­zahlt.) Flexibilität über al­les.

Ich ha­be be­reits mehr­fach Leute mit fol­gen­dem scho­cken kön­nen: Ich ma­che öf­ters auch Termine mit Personen, die ich sehr sel­ten se­he, ein hal­bes Jahr im Voraus aus. Wenn der Tag ge­kom­men ist, ge­he ich zu dem ver­ein­bar­ten Ort. Ohne vor­her noch­mal mit der Person zu kom­mu­ni­zie­ren. Und: Die an­de­re Person ist auch da!

Herzstillstand. Groooße Augen. Unfassbar. Übermenschlich.

Das Stromnetz in Brasilien hat 110 und 220 Volt. Gleichzeitig.

Überall sieht man Steckdosen, auf de­nen 220V steht, in Harmonie ne­ben 110V-Steckdosen. Manchmal nur un­schein­bar be­schrif­tet.

Ich fra­ge mich, wie viel Elektroschrott hier je­des Jahr des­we­gen an­fällt.

Lençois Maranhenses. In der Wüste Brasiliens

Nach ei­ner Woche in Brasilien woll­ten ich und mein Besuch aus München ei­gent­lich für zwei Wochen nach Peru. Flug war ge­bucht, die Planung stand. Ein paar Tage vor ge­plan­tem Abflug fing es dort al­ler­dings zu reg­nen an. Und war der­ma­ßen stark, dass der Notstand ver­hängt wur­de. Tote, kein Strom, un­pas­sier­ba­re Straßen und zer­stör­te Brücken hör­ten sich nicht da­nach an, als ob wir dort zwei Wochen ver­brin­gen woll­ten. Helfen kön­nen hät­ten wir ja doch nicht. Daher ha­ben wir den Flug ver­fal­len las­sen und muss­ten über­le­gen, was wir mit den zwei Wochen jetzt an­fan­gen wür­den.

Letztendlich flo­gen wir nicht in die Anden, son­dern in den bra­si­lia­ni­schen Teil der Sahara.

Ja, das hört sich ko­misch an. Ist aber so. Dass Brasilien ei­ne Wüste hat, ist in Europa eher kein Allgemeinwissen. Die Lençois Maranhenses wä­ren geo­lo­gisch aus Zeiten Pangaeas Teil der heu­ti­gen Sahara in Afrika, sag­ten die Leute dort. Wenn man sich die Abbruchkanten Afrikas und Südamerikas an­schaut, passt das auch ge­nau.

(Lençois Maranhenses über­setzt: Maranhãos Bettlaken [Maranhão ist der Bundesstaat Brasiliens, in dem die Wüste liegt]. Aussprache: „Lenszois“)

Im Gegensatz zur „rechts­at­lan­ti­schen“ Sahara reg­net es in den Lençois al­ler­dings sehr oft. Das führt zur Bildung un­zäh­li­ger Lagunen.

Eine Lagune. Am Rande der Wüste, noch mit Urwald im Hintergrund.

Lagunen, die im Winter (vor al­lem im Juli) ei­ne Tiefe von bis zu 7 Metern er­rei­chen kön­nen. Im März, am Ende der Trockenzeit, wa­ren die Lagunen zwar sehr flach, aber trotz­dem wun­der­schön an­zu­se­hen. Und zum Baden na­tür­lich auch; den bei der Hitze fast di­rekt am Äquator ver­bun­den mit sehr ge­rin­ger Wassermenge hat­ten wir über­all Badewannentemperatur.

Noch ei­ne Langune.

Schon wie­der ei­ne Lagune.

Genauer ge­sagt be­steht die Wüste aus Wanderdünen. Der Sand wird al­so vom Wind per­ma­nent hin- und her­ge­tra­gen und bil­det stän­dig neue Landschaften. Die Wüste sieht da­her je­des Jahr et­was an­ders aus.

Zur Abwechslung zwei Lagunen auf ein­mal.

Überrascht hat mich, was so al­les in der Wüste wächst. Verzeinzelt sieht man et­was grü­ne Vegetation an Stellen, an die sich et­was frucht­ba­rer Boden ver­irrt hat.

Wüste mit Mini-Vegetation. Und wahr­schein­lich auch Schlangen (nicht im Bild).

Zu sehr nä­hern soll­te man sich den grü­nen Stellen aber nicht, wie uns Führer sag­ten. Denn dort gä­be es oft Schlangen. Harmlos da­ge­gen, und nicht min­der in­ter­es­sant, fan­de ich die Pilze, die dort hin und wie­der zu se­hen wa­ren.

Wüstenpilze. Naja, nicht wirk­lich. Sehen aus wie Champingons. Hat aber kei­ner von uns ge­schmack­lich ve­ri­fi­zie­ren wol­len.

Die Landschaft ist wun­der­schön und auf je­den­fall ei­ne Reise wert. Allerdings fand ich die­se Wüste nicht so „ab­wechs­lungs­reich“ wie die is­rae­li­sche Wüste, die Negev. Ein paar Tage dort zu ver­brin­gen, ge­nügt. Denn auch wenn die Wüste et­wa so groß wie São Paulo ist (~ dop­pel­te Fläche Berlins, et­wa hal­be Fläche des Saarlandes): Sie ist nicht so ab­wechs­lungs­reich.

Eine Lagune mit zwei Dünen, die sich für’s Bild schön ge­macht ha­ben.

Es ist im­mer: Sand. Eine Düne. Mehr Sand. Sand. Oh, noch ei­ne Düne. Bis zum Horizont. Und noch viiiiel wei­ter!

Aber es hat sich ge­lohnt. Vielleicht kom­me ich hier ir­gend­wann noch­mal her. Dann aber im Juni oder Juli. Zum Tauchen.

Wo ich über­all bin. Jetzt statt­des­sen im Großraumbüro sein, hach…

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