pt.andreas-klingler.de

Über meine Zeit in Brasilien und Portugal und das Portugiesische

Schlagwort: Sicherheit

Brasilien 1

Knapp 3 Mona­te Bra­si­li­en sind um. Was für eine phan­tas­ti­sche Zeit. Ich will wie­der zurück. Ich bin so beschäf­tigt gewe­sen, dass ich zu vie­lem gar nicht rich­tig gekom­men bin; unter ande­rem habe ich nicht so vie­le Blog-Artikel geschrie­ben, wie ich gewollt hät­te.

Die Men­schen dort sind wun­der­bar. Die Offen­heit ist noch stär­ker aus­ge­prägt, als ich es in Spa­ni­en erlebt habe. Stän­di­ge Umar­mun­gen und Küss­chen, in Kom­bi­na­ti­on mit nur einer „Du“-Form für Bekann­te wie für Frem­de. Das macht im Umgang so viel aus. Mir ist auf­ge­fal­len, dass in Deutsch­land selbst das Hand­rei­chen aus der Mode zu kom­men scheint. (Oft reicht ja ein „Hal­lo“ mit einem Sicher­heits­ab­stand von 2 Metern zur Begrü­ßung aus. Seufz.)

Im Unter­schied zu Spa­ni­en haben die meis­ten Men­schen auch anders reagiert auf mein Por­tu­gie­sisch. Wäh­rend es in Spa­ni­en nie­man­dem komisch vor­kam, dass ich Spa­nisch lern­te, fan­den es in Bra­si­li­en vie­le Men­schen sicht­bar toll, dass ich ver­such­te, ihre Spra­che zu ler­nen. Ich wur­de sogar mehr­fach gefragt, war­um ich denn auf die Idee gekom­men bin, Por­tu­gie­sisch zu ler­nen. In Spa­ni­en wur­de ich das nie gefragt. Ange­merkt wur­de wohl auch des­we­gen, wie flüs­sig und gut ich Por­tu­gie­sisch sprä­che. Aber, nun ja, das hat sicher­lich auch kul­tu­rel­le Grün­de; als Deut­scher wür­de ich erst dann sagen, gut Por­tu­gie­sisch zu spre­chen, wenn ich einen Habi­ti­la­ti­ons­vor­trag in Agrar­phi­lo­so­phie flüs­sig hal­ten und ver­tei­di­gen könn­te.

(Zu der Selbst­ein­schät­zung fällt mir immer fol­gen­des Bon­mot ein: Ein US-Amerikaner und ein Deut­scher wol­len Ele­fan­ten erfor­schen. Der US-Amerikaner recher­chiert im Netz, befragt eini­ge Bio­lo­gen und ver­öf­fent­licht sein Buch mit dem Titel: „Alles über Ele­fan­ten“. Der Deut­sche reist nach Afri­ka, stu­diert dort jah­re­lang das Ver­hal­ten gan­zer Her­den, nimmt an unzäh­li­gen Safa­ris und Kon­fe­ren­zen teil, bevor er nach vie­len Jah­ren end­lich ein Buch ver­öf­fent­licht mit dem Titel: „Ele­fan­ten – eine Ein­füh­rung“.)

Bra­si­li­en hat mir auch wie­der vor Augen geführt, wohin es führt, wenn gro­ße Tei­le der Men­schen von Wohl­stand aus­ge­schlos­sen sind. Die Kri­mi­na­li­täts­ra­te ist ja über­all deut­lich höher, auch wenn ich per­sön­lich nichts davon mit­be­kom­men habe, wohl weil ich auch nur in „teu­re­ren“ Gegen­den gewohnt habe. So vie­le Obdach­lo­se und Bett­ler. So vie­le Sicher­heits­vor­keh­run­gen, die das gan­ze Leben bestim­men:

  • Hoch­häu­ser sind beliebt, weil man sie gut schüt­zen und sich Wach­leu­te tei­len kann.
  • Häu­ser haben 2–3 Meter hohe Zäu­ne, oft mit Sta­chel­draht und Elek­tro­zaun.
  • Vie­le Schu­len haben Wach­tür­me und Video­über­wa­chung, von denen Innen­mi­nis­ter träu­men oder Lon­do­ner es gewohnt sind.
  • In Biblio­the­ken darf man Schließ­fä­cher nur nach Pass­kon­trol­len nut­zen.
  • Für fast alle Schwimm­bä­der braucht man ein aktu­el­les ärzt­li­ches Attest. Damit man nicht lus­ti­ge Krank­hei­ten im Was­ser ver­brei­tet, gegen das Chlor wohl auch nicht mehr hilft.

Ich muss noch so viel mehr schrei­ben… Ich habe auch schon etli­che Blog-Artikel vor­be­rei­tet und hof­fe, die 2. und 3. Pha­se mehr zu schrei­ben. Ich wer­de daher auch von Por­tu­gal aus Bei­trä­ge über Bra­si­li­en ver­öf­fent­li­chen. Aktu­ell bin ich am Beginn mei­ner 2. Pha­se: 3 Mona­te Lis­sa­bon, mit einer 3-wöchigen Unter­bre­chung ab Mit­te Dezem­ber. Die­se Zei­len schrei­be ich am Flug­ha­fen in Lis­sa­bon, wo ich mich immer noch über 30 Giga­byte LTE-Volumen für 30€ freue…

Den Beginn mei­ner Master-Arbeit, die ich Ende Sep­tem­ber / Anfang Okto­ber habe anfan­gen wol­len, habe ich auf Anfang Novem­ber (=jetzt) ver­scho­ben, haupt­säch­lich weil mein Betreu­er im Kon­fe­renz­stress war. (Das war mir aber auch nicht so unrecht, so hat­te ich mehr Zeit für die Por­tu­gie­si­sche Spra­che.) Aber damit geht es jetzt auch los, wir dis­ku­tie­ren noch ein­zel­ne Schwer­punk­te der Arbeit.

Nun dann. Hal­lo Lis­sa­bon.

klingler_20160911_4035Es ist hier expli­zit ver­bo­ten, Loka­len oder Geschäf­ten mit Kopf­be­de­ckung zu betre­ten. (Wahr­schein­lich, damit die Leu­te leich­ter iden­ti­fi­zier­bar sind auf Video­auf­nah­men. Kame­ras gibt es hier über­all.)

Eine Android-Gurke zum Klauen

Seit kur­zem habe ich einen zwei­ten Taschen­rech­ner (ich mag den Aus­druck, lei­der ist die­ses deut­sche Wort schon belegt) ein zwei­tes Mobil­te­le­fon: Ein Android-basiertes Alca­tel One Touch 4033. Für 29€ inkl. Ver­sand über Ebay.

Häh? Ja, ich habe mich bereits, auch im Rah­men von Vor­le­sun­gen, mit Andro­id beschäf­tigt und dafür auch schon mal ange­fan­gen zu pro­gram­mie­ren. Und ich blei­be dabei, dass ich genug dar­über weiß, dass ich mich damit auf kei­nen Fall ohne höhe­re Schmer­zenz­geld­zah­lun­gen tie­fer­ge­hend beschäf­ti­gen will.

Aber:

Die Sicher­heits­la­ge. Man liest ja über­all, dass man für even­tu­el­le Über­fäl­le immer etwas „Klein­geld“ oder auch ein zwei­tes Porte­mon­naie dabei haben soll­te, das man raus­ge­ben kann, ohne all­zu­viel zu ver­lie­ren. Dabei habe ich mir mit Blick auf mein iPho­ne 6 gedacht: Das wür­de ein Über­fall­kom­man­do auch ger­ne mit­neh­men.

Nun soll­te man es nicht über­trei­ben mit der Para­noia. Die Kri­mi­na­li­täts­ra­te hängt stark vom Vier­tel ab; aber sie ist halt den­noch durch­gän­gig grö­ßer als das, was man in Deutsch­land gewohnt ist. Ins­be­son­de­re Dieb­stäh­le kom­men rela­tiv häu­fig vor. Mir wur­de ja auch mal in Madrid mein Porte­mon­naie gestoh­len – es war plötz­lich ein­fach nicht mehr da.

Mobil­te­le­fo­ne sind dabei noch gefär­de­ter, da sie oft gezeigt wer­den. Denn gera­de in der Frem­de wür­de ich ein Mobil­te­fon öfter für alle sicht­bar in der Öffent­lich­keit nut­zen, um zum Bei­spiel auf einer Kar­te nach­zu­se­hen, wo zum Teu­fel ich über­haupt gera­de bin. Und es scheint öfters zu pas­sie­ren, dass man das Mobil­te­le­fon dann plötz­lich aus der Hand geris­sen bekommt und der Dieb, trai­niert und mit guten Orts­kennt­nis­sen aus­ge­stat­tet, ren­nend ver­schwin­det.

Mein Gedan­ke daher: Im Zwei­fel tra­ge ich lie­ber unter­wegs eine 30€-Android-Gurke mit mir her­um. Wenn die jemand klau­en will – mei­net­we­gen.

Die Pri­vat­späh­ren­si­cher­heits­la­ge. Ich kom­mu­ni­zie­re gera­de mit mei­nem Freund vor Ort, bei dem ich anfangs woh­nen wer­de, pri­mär über eine Drit­te Per­son über Whats­App. Und nach ver­schie­de­nen Mei­nun­gen scheint es in Bezug auf ein frei­es Netz in Bra­si­li­en noch schlim­mer aus­zu­se­hen: Whats­App wich­ti­ger als SMS, Face­book nut­zen viel mehr als hier­zu­lan­de (in Bra­si­li­en 50% der Bevöl­ke­rungin Deutsch­land 35%) und es läu­fen alle mög­li­chen Finanz­trans­ak­tio­nen über PayPal. Mir wur­de von meh­re­ren Per­so­nen drin­gend gera­ten, die­se Diens­te auch zu nut­zen, da ich sonst in vie­len Berei­chen Nach­tei­le haben könn­te. Zum Bei­spiel bei der Woh­nungs­su­che. Zum Heu­len.

Ich habe ja wäh­rend mei­ner Zeit in Madrid mal kurz ein Stasibuch-Konto erstellt, da ich sonst nicht an Ter­mi­ne und Treff­punk­te her­an­ge­kom­men wäre. Aber ich will das nicht wie­der machen und ins­be­son­de­re nicht auch noch Whats­App instal­lie­ren, dass das kom­plet­te Adress­buch auf frem­de Ser­ver schiebt. (Natür­lich bin ich bestimmt sowie­so schon längst im Soci­al Graph von Whats­App und Face­book opti­mal ver­netzt, da die meis­ten ja sehr offen mit ihren Bezie­hungs­da­ten umge­hen – aber das ist für mich trotz­dem kein Grund, das auch noch selbst zu unter­stüt­zen.)

Ein wei­te­rer Gedan­ke daher: Wenn ich mir eh eine Android-Gurke hole, kann ich mir auch eine neue 10€-Prepaid-SIM-Karte mit einer neu­en Num­mer holen und die­se Sachen alle pro­blem­los auf einem Neu­ge­rät ein­rich­ten, auf dem ich sonst kei­ne per­sön­li­chen Daten drauf habe. Kein E-Mail-Konto, kein Adress­buch (außer mit den bra­si­lia­ni­schen Num­mern natür­lich), ver­knüpft nur mit einem neu­en Google-Konto (eine neue Tele­fon­num­mer zu veri­fi­zie­ren habe ich dann ja).

Bei­de Gedan­ken zusam­men fand ich dann über­zeu­gend genug für einen Kauf. Ich wer­de daher das iPho­ne zumin­dest anfangs eher in der Woh­nung las­sen. Ob sich der Auf­wand lohnt oder ob ich nach eini­gen Wochen nicht doch mer­ke, dass ich mich in einer siche­ren Umge­bung befin­de und doch über ande­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge an alle Infos kom­me, wer­de ich sehen.

© 2011–2018 Andreas Marc Klingler

Theme von Anders NorénHoch ↑