pt.andreas-klingler.de

Über meine Zeit in Brasilien und Portugal und das Portugiesische

Schlagwort: Atins

Barreirinhas und Atins. Unangenehme Orte an sehr angenehmer Wüste. Teil 2

(Zu Teil 1 über Barrerinhas.)

Atins ist ein sehr klei­ner und ab­ge­le­ge­ner Ort in un­mit­tel­ba­rer Nähe der Lençois Maranhenses. Man er­reicht ihn am bes­ten mit dem Boot von Barrerinhas aus. Es gibt auch Touren mit Geländewagen dort­hin, doch da­bei soll­te man si­ch be­wusst sein, dass man, je nach Jahreszeit, et­was über 2 Stunden in Jeeps ver­bringt, die zick­za­ck durch rau­es Gelände und mit­ten durch Wasser fah­ren. Das ist nicht für je­den. (Oder wert­vol­les Gepäck.)

Tipp: Es gibt Tagestouren mit Booten, die na­he an Atins vor­bei­fah­ren. Wir ha­ben in ei­nem Reisebüro ver­han­delt und ei­ne Tagestour ge­bucht, bei der wir für 20R$ ex­tra pro Person an der letz­ten Station vom Fahrer nach Atins über­ge­setzt wur­den. Das Gepäck mit­zu­neh­men, war in den 12-Personen-Booten auch kein Problem. Somit ha­ben wir no­ch ei­ne schö­ne Tour mit­ge­nom­men und ka­men für ei­nen mi­ni­ma­len Aufpreis nach Atins.

Niedlich diebisch

Bei ei­nem Stopp der Bootsfahrt gab es vie­le Affen. Die wirk­li­ch al­les, was nicht niet-und-nagelfest war, an si­ch neh­men woll­ten. Während die Passagiere an Land wa­ren, klet­ter­ten sie auf die Boote und such­ten nach Nahrung oder glit­zern­den Sachen. Angeblich ha­ben die auch schon Smartphones di­rekt von Touristen aus der Hand ge­klaut und sind in den Wald ge­flüch­tet. Sachen gibt’s…

Bootseinbruch

Täter mit Diebesgut

Ankunft in Atins

Später am Nachmittag wur­den wir in dem „Haupthafen“ ab­ge­setzt: ei­ner Waldstelle, an der man ei­ni­ge Bäume ge­fällt hat­te, da­mit dort ein paar klei­ne Boote na­he ans Ufer fah­ren konn­ten. An Land war­te­ten un­ge­fähr 7 Personen mit klei­nen Fahrzeugen, die so­fort Fahrten in den Ort ver­kau­fen woll­ten. Das fan­de ich merk­wür­dig: Fahrten von hier in den Ort, der doch fast di­rekt am „Haupthafen“ lie­gen soll­te? Wir gin­gen auf kein Angebot ein und lie­fen los, als uns ein Jeep von un­se­rer Pousada (Unterkunft) ent­ge­gen­kam, um uns ab­zu­ho­len. Nett. Zu Fuß wä­ren üb­ri­gens nur 7-10 Minuten ge­we­sen bis zum Ortsanfang.

Atins‘ Haupthafen

(Ich ver­ste­he ja, dass die Menschen dort al­les ver­su­chen, um Geld zu ver­die­nen, wo es son­st kaum Möglichkeiten gibt. Aber ab ir­gend­ei­nem Punkt wird es ab­schre­ckend. Zumindest für mi­ch.)

Einkauf rustikal

Nachdem wir uns in der Unterkunft ein­ge­rich­tet hat­ten, woll­ten wir den Ort ent­de­cken und et­was es­sen. Nun, mehr als 30 Minuten braucht man nicht, um al­le Straßen Wege ge­se­hen zu ha­ben. Atins be­steht im Grunde zu 80% aus Pousadas (Unterkünften). Als wir da wa­ren, war al­ler­dings fast al­les leer. Wieder wa­ren wie fast die ein­zi­gen Touristen. Aber im­mer­hin, in un­se­rer Pousada gab es no­ch zwei an­de­re be­leg­te Wohnungen. (Aus wel­chem Land? Yep, ge­n­au. Deutsche sind im­mer und über­all. Bayerisch un­ter Palmen beim Frühstück.)

Zurück zur Essenssuche: Der Ort war so leer, dass nicht ei­ne Bar ge­öff­net hat­te. Es gab nichts zu es­sen oder zu trin­ken. Immerhin soll­te es hier ei­nen Supermarkt ge­ben, schließ­li­ch müs­sen si­ch die paar Anwohner (er­go: Pousada-Besitzer oder -Mitarbeiter) ja auch er­näh­ren. Bloß, dass wir an der Stelle, an der Google Maps ei­nen Supermarkt an­ge­zeigt hat, kei­nen ge­se­hen ha­ben. Wohl ein Kartenfehler. Kommt vor.

Dann hat uns aber je­mand ge­sagt, dass dort tat­säch­li­ch der Supermarkt sei. Und wirk­li­ch: Wir frag­ten dort ei­ne äl­te­re Dame, die auf ei­ner Bank ge­gen­über saß. Sie ging ans Haus und mach­te ei­ne Art Garage auf, wo auf Sperrholzregalen Lebensmittel stan­den. Licht gab’s da lei­der an die­sem Tag nicht mehr, aber wir konn­ten mit den Smartphone-LEDs das Sortiment be­gut­ach­ten. Und kauf­ten et­was Wasser, Gemüse und Brötchen, was dann das Abendessen wur­de. Immerhin.

Der Traumstand

Der Strand sol­le sa­gen­haft sein, hör­ten wir so oft. Nun, ich weiß ja nicht, ob ich durch die schö­nen Strände der Ilha Grande schon so ver­wöhnt war; fol­gen­des re­prä­sen­ta­ti­ves Photo zeigt je­den­falls für mi­ch nicht un­be­dingt ei­nen Traumstrand. So wie auf den Photo geht das 30 Minuten lang wei­ter, be­vor der Strand we­gen Wasser und Vegetation un­pas­sier­bar ist. Zwischendurch ren­nen wil­de Hunde und lau­fen ge­mäch­li­ch Esel vor­bei.

Strand von Atins

Zur Wüste

Ein Hauptgrund für den Besuch von Atins ist ja die Nähe zu der Wüste, den Lençois Maranhenses. Als wir am nächs­ten Morgen auf­bra­chen, ka­men wir aber nicht weit. Alle Wege, die au­ßer­halb des Ortes führ­ten, stan­den un­ter Wasser. Stehendem, dre­cki­gen Wasser. Wir muss­ten da­her wie­der Geld aus­ge­ben und uns mit ei­nem Jeep zum Beginn der Wüste fah­ren las­sen. Was 20 Minuten ge­dau­ert hat. Zu Fuß wä­ren das al­so selbst bei tro­cke­nen Wegen ge­schätzt an­dernt­halb Stunden. Und bis man dann wirk­li­ch „in“ der Wüste ist, dau­ert es auch no­ch mal.

Der Tag in der Wüste war im­mer­hin sehr schön, wie man in dem ei­ge­nen Artikel da­zu nach­le­sen kann.

Fazit

Wer die Lençois Maranhenses be­su­chen möch­te, muss nicht nach Atins. Das Geld kann man si­ch wirk­li­ch spa­ren. Auch wenn es der nä­hes­te Ort zu den Lençois ist, ist es ein­fach zu Fuß viel zu weit und es gibt in die­sem Teil der Wüste nichts, was man nicht auch wo­an­ders se­hen wür­de. Man sieht im Prinzip auf 1500 Quadratkilometer über­all das glei­che.

Man soll­te si­ch lie­ber für 2-3 Tage in Barrerinhas ein­quar­tie­ren und si­ch ta­ges­wei­se in die Wüste fah­ren las­sen. Mehr als 4 Tage braucht man auch nicht zu blei­ben; al­le Agenturen bie­ten mehr oder we­ni­ger die glei­chen Touren an, und zwar 3-4 Stück. Danach hat man nichts mehr zu tun, wenn man nicht ei­ni­ge Touren mehr­fach ma­chen will. Die letz­ten (kür­ze­ren) Touren des Tages star­ten üb­ri­gens ge­ne­rell um 14 Uhr; wenn man al­so mit dem Bus aus São Luíz zu spät an­kommt, kann man am ers­ten Tag nichts mehr un­ter­neh­men.

Und man darf nie den ers­ten Preis ak­zep­tie­ren und muss im­mer han­deln. Bei fast je­der Gelegenheit  wur­de uns ver­sucht, mög­lichst viel Geld ab­zu­knöp­fen. Nie das er­s­te Angebot neh­men.

Wenn man no­ch et­was mehr Zeit hat, soll­te man dann wei­ter Richtung Westen nach Jericoacoara fah­ren, wo es wun­der­schö­ne Naturlandschaften ge­ben soll. Das ha­ben wir aber lei­der nicht mehr ge­schafft, da die Fahrt dort­hin sehr lan­ge dau­ert. Vielleicht ein an­dern­mal.

Barreirinhas und Atins. Unangenehme Orte an sehr angenehmer Wüste. Teil 1

Im vor­letz­ten Beitrag ging es um die Lençois Maranhenses, die Wüste Brasiliens. So schön sie auch ist, Infrastruktur gibt es dort na­tür­li­ch über­haupt nicht. Deswegen muss man si­ch in ei­nem der Orte in un­mit­tel­ba­rer Nähe ein­quar­tie­ren.

Barreirinhas

Der größ­te Ort (!= groß) in der Nähe heißt Barreirinhas. Der Ort lebt fast kom­plett vom Tourismus. Und da Touristen die ein­zi­gen sind, mit de­nen man Geld ver­die­nen kann, wer­den sie auch ge­jagt.

Wir fuh­ren in ei­nem der vier täg­li­ch ver­keh­ren­den Busse aus São Luíz, der Hauptstadt des Bundesstaates Maranhão, nach Barrerinhas.  Ab dem Ortseingang be­gan­nen Motorräder, den Bus zu be­glei­ten. Dessen (Bei-) Fahrer schau­ten si­ch ge­n­au die Passagiere des Busses an und ver­such­ten mit je­dem, der halb­wegs nach Ausländer aus­sah, Blickkontakt auf­zu­bau­en und über Pappschilder be­reits er­s­te Angebote zu kom­mu­ni­zie­ren. Als der Bus an ei­nem zen­tra­len Platz an sei­ner Endstation an­ge­kom­men war, wa­ren es gut 10 Motorräder.

Beim Ausstieg muss­ten die Passagiere durch ei­nen Traube an sehr selbst­be­wuss­ten „Verkäufern“. Und ich und mei­ne Begleitung aus München wa­ren in die­sem Bus auch no­ch die ein­zi­gen Touristen. (Es war Nebensaison, als wir im März da wa­ren.)

Naja, letzt­end­li­ch ha­ben wir auch das über­stan­den. Aber an­ge­nehm war das nicht. Der Ort an si­ch hat auch wirk­li­ch nichts zu bie­ten. Die re­la­tiv kur­ze Zeit am Tage, die wir dort auf den Straßen wa­ren, wur­den wir öf­ter an­ge­spro­chen von mit­un­ter sehr pe­ne­tran­ten „Verkäufern“. Und kaum ist man frei­wil­lig in ei­ner Agentur, weil man ei­ne Tour oder Überfahrt bu­chen will, ver­su­chen schlei­mi­ge „Verkäufer“, gleich no­ch viel mehr mit­zu­ver­kau­fen.

Dies war der er­s­te Ort Brasiliens, in dem ich mi­ch wirk­li­ch un­wohl ge­fühlt ha­be. Zum Glück woll­ten wir so­wie­so recht schnell wei­ter in den Norden, zu ei­nem Ort, von dem die Leute sa­gen, er sei ei­ner der schöns­ten im Maranhão, von dem man gar nicht mehr weg­woll­te. Ein idyl­li­sches Fischerdorf, di­rekt an der Wüste ge­le­gen und zu­gleich am Atlantik: Atins.

Davon mehr im nächs­ten Beitrag.

© 2011–2017 Andreas Marc Klingler

Theme von Anders NorénHoch ↑